Der 8. Mai

Heute wurde in TelAviv,Jerusalem und auch am Berliner Gendarmenmarkt der 60 Geburtstag Israels befeiert,ich kann die Architektur an diesem Platz ja überhaupt nicht vertragen,aber eine dreiviertel Stunde konnte mir die Umgebung den freudigen Anlass nicht vergrätzen: Habe interessante Infostände besucht,Swingmusik von Herrn Hermlin zugehört,viele freudige Gesichter gesehen und Ramon S. beim fotografieren zugeschaut.Dann war es aber auch gut an diesem mir eher unheimlichen Ort. Der kongeniale Text von Ramon Schack: 60 Jahre Israel/Foto des Tages/Song des Tages.

Für mich ist der 8. Mai eindeutig mit der Befreiung von der Naziherrschaft verbunden. Bei wikipedia wird das kurz und bündig so zusammen gefasst:

Der Zweite Weltkrieg endete mit der vollständigen Niederlage der Achsenmächte Deutsches Reich, Italien und Japan; in Europa am 8. Mai 1945 mit der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands

Ein berühmtes Fotodokument des Sieges der Roten Armee über Nazideutschland vom TASS-Korespondenten Jewgeni Chaldej ging in die Annalen der Weltgeschichte ein: Ein Rotarmist befestigt Anfang Mai 1945 die SU-Fahne auf dem zerkraterten Reichstag – diese Szene wurde wohl ein Tag nach dem Einmarsch der Roten Armee in Berlin nachgestellt und von Chaldej fotografiert – aber auch z.B. mit hintergründigen Rauchschwaden nachbearbeitet,Stalins Garde wollte es wohl spektakulärer einrichten lassen.Im Martin Gropius Bau läuft gerade eine Retrospektive des russischen Foto-Dokumentars mit 200 Exponaten, dort ist über die Pfingstfeiertage und am Dienstag nach Pfingsten, 13.5.2008, 10-20 Uhr geöffnet

Jewgeni Chaldej

Die NPD will heute ihrer Sicht auf die dt. Geschichte gedenken,in Neukölln haben die leidgeprüften Kriegsverlierer Räume in einer Behinderteneinrichtung in Alt-Buckow zugesprochen bekommen. Laut indymedia wurde als Veranstalter und Referent dieses Jahr Udo Pastörs, NPD-Abgeordneter im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern und Chef der Mecklenburg-Vorpommerschen NPD, eingeladen. Es wird dann wieder nationalsozialistisch herum geopfert und Udo Voigt muss ja auch um seinen Chefposten fürchten,Pastörs sägt ja an seinem Stuhl. Die antifaschistische Gegenöffentlichkeit hat sich aber auch schon angekündigt.

Gerade höre ich Jubelschreie aus der Alten Försterei in Köpenick: FC Union vs. Dynamo Dresden 4:2 – ich erinnere mich an einen Chorwettstreit zwischen irgendwelchen Zonen-Nazihools und Unionfans,die Berliner punkteten gegen antisemitische Wehrmachtsverherrlichung,deren Wortlaut mir nicht mehr einfallen möchte, mit „UNION-UNION… SOWJETUNION!!!“,ganz auch im Sinne des heutigen Befreiungsgedankens.

Apropos Christival: Klaus Kinskis „Jesus Christus,Erlöser“ kommt wieder auf die Leinwand.Diese siebziger Jahre Bibelposse aus Kinskis Feder beredet die ausgehende christliche Zeitepoche Wessielands in der späten Hippiezeit.Die Berliner Inszenierung war seinerzeitig sehr umstritten,heute verdienen sich drogensüchtige Jungschauspieler mit dem Kinskistoff ein Zubrot für die nächste Fixe,oder sonstewas.

Schlusswort:
Transenschweine Zwei Hier im philologischen Klo ist ab heute Schluss. Aus. Ende. Vorbei.

Es war interessant,teilweise auch nett hier,aber die 500 Beiträge sind nun voll,34 Beiträge habe ich nicht veröffentlicht und 100 000 Besuche haben das hier alles mitgemacht.

Ich habe noch kein korrektes Folgeprojekt am Start – sandbox fliegt mir dauernd um die Ohren, aber in der Raum-Zeit (nun Raumzeit&Philolog) bin ich sicherlich weiter anzutreffen – im alten Konzept gedacht wären dort noch 300 Beiträge zu befüllen.

Thanx & °Ahoi° von Zuppi

Bild:
„Transenschweine Zwei“ von Alexander Krull

references:
Hatemails zum 60. von den „Freiheitlichen“ Schenk und Pape

7 Comments

  1. chris
    Posted Mai 8, 2008 at 10:34 pm | Permalink

    war nett hier, danke.

  2. Posted Mai 8, 2008 at 10:50 pm | Permalink

    hi chris,
    merci auch. du kannst ja gerne in die raumzeit mit herüber kommen😉

  3. Posted Mai 14, 2008 at 9:37 am | Permalink

    sehr bedauerlich, war einer meiner lieblingsblogs hier, weil ständig relevantes zeug.

  4. Posted Mai 14, 2008 at 3:43 pm | Permalink

    hi dissi,
    hab nur den ort gewechselt,in der „raumzeit“ geht es ja irgendwie weiter (rund 300 beiträge sind dort noch zu befüllen) – da werden dann nicht nur hauptsächlich die kopfrockthemen,sondern auch das hier bekannte zeugs mehr vertreten sein.meine 500-macke konnte ich dann doch nicht ablegen,trotz couch und bestem bemühen um veränderung😉
    ps: früher oder später am tage lande ich eigentlich auch immer auf deinem blog.und das nahezu täglich.

  5. Posted Mai 14, 2008 at 7:13 pm | Permalink

    ich hab meine surfangewohnheiten auch in richtung raumzeit umgestellt, feed abonniert und so.
    man liest sich dann also.🙂

  6. Posted Mai 28, 2008 at 10:41 am | Permalink

    Wenn’s vielleicht noch gelesen wird:

    Für die Nazis – und die meisten Deutschen (auch für meine Eltern) – war es eine Niederlage. Alle anderen Formeln nach dem Krieg hatten nur Beschwichtigungscharakter.

    Nur für die KZ-Opfer und deren Angehörige sowie die (passiven) Widerstandskämpfer war es eine Befreiung.

    Wenn ein Mitläufer von damals das Wort „Befreiung“ ausspricht bekomme ich die Krise.

    ———–

    Die Befreiung sah für viele Juden und andere KZ-Häftlinge ziemlich schlecht aus: Sie wurden als so genannte DP, „Displaced Person“ behandelt, was bedeutete, dass sie vorübergehend wieder in Lagern untergebracht wurden. Man muss keine große Fantasie aufbringen, um sich vorzustellen, was in diesen Menschen vorging, wenn man in der linken Brusthälfte ein Herz statt eines Steins besitzt.

  7. Posted Mai 28, 2008 at 4:39 pm | Permalink

    Hallo Bernd,
    ja,ich lese hier noch täglich mit.

    Die Debatten um den 8.Mai fanden in meiner Kindheit/Jugend fast garnicht statt,die Niederlage wurde erst einmal so geschluckt,immerhin gehörte man ja zum Teil der westlich besetzten Zone – den Brüdern und Schwestern in der Ostzone wurde aber immer gerne ein kontinuierliches Schicksal bescheinigt,denn Kommunismus=NS. Natürlich war der WKII für Deutschland verloren,das hat schon einige Anforderungen an die Nationalismus- und Patriotismusdefinition gestellt,schon in der Vorwende-BRD wurde ein demokratischer Konsens in Form eines Verfassungspatriotismus als Ablösung des dt. Nationalismus entwickelt,da nützt auch kein Hambacher Fest und keine Paulskirchentheatralik der republikanisch Konservativen. Für mich als Mensch der nicht Erlebnisgeneration des Krieges und des NS-Regimes kommt nur der Befreiungsinhalt des 8. Mai in Frage,die Anerkennung von Niederlage würde ja bedeuten,ich identifiziere mich nachträglich mit den Kriegszielen der deutschen Nazis und deren willigen Strategen in der NS-Wehrmacht,das ist ausdrücklich bei mir nicht der Fall.Wie die Gesamtbevölkerung hier über alle Generationen betrachtet dieses Datum einschätzt,da wäre ich mir natürlich auch nicht sicher.Ich schätze einmal,der Kadavergehorsam wäre das stärkste Argument für die Mitläufer und deren heute immer noch sehr verbreiteten Bauchredner.

    Zu den wirklich Befreiten: Sie hatten in der Tat noch weit nach Kriegsende ein schreckliches Schicksal zu erleiden: Eine Rückkehr zu den Profiteuren der Nazibarbarei war kaum denkbar,Palästina war von den Briten versperrt und man musste noch viel Energie haben,um doch dorthin zu gelangen – die zionistischen Organisationen haben kaum bezifferbare Basisarbeit in Postnazideutschland geleistet,vor allem für die vielen jüdischen,meist waisen KZ-Kinder.Ich möchte jetzt hier nicht alle Opfergruppen aufzählen,das wäre ein separater Beitrag,es sind einfach zu viele.
    Grundsätzlich stimme ich Deiner Einschätzung über die Tätergeneration natürlich zu,aber die Tätergeneration bestimmt den Erinnerungsdiskurs zum Glück nicht mehr alleine,auch wenn Guido Knopps oral-history im ZDF die Trümmertruden so gerne vor die Kamera zerrt.

    PS:
    Habe ich schon erwähnt,dass mir die persönlichen Ausführungen unseres Ex-Bundeskanzlers H. Schmidt über seine Landserherrlichkeit in der NS-Wehrmacht regelmässig die Kotze aus dem Magen treibt? Als standhaltender Zigarettenraucher ist er mir ja sympathisch,seine NS-Relativierungen lassen mich aber immer wieder auf die Arroganz der späten Geburt hoffen.


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