Pagan Metal Headz im SO36 in Berlin

Ein Festival des Pagan Metal sorgt für erhitzte Debatten in der Berliner Antifaszene.Pagan Metal,in dem häufig mythologische Themen vorchristlicher Religionen behandelt werden,zeichnete sich zunächst durch dezidierte Abgrenzung und Ablehnung zur christlichen Tradition aus,er ist aber nicht identisch mit den kirchenanzündenden Black-Metal Strömungen.Nun mischen sich zunehmend Bands mit braunem Gedankengut (rechtsextremer Überfremdungsdiskurs) in die Pagan Metal Szene ein.Xenophobie,völkische und auslänerderhassende Textinhalte mehren sich,dann ist der Anschluss zur Naziszene nicht mehr weit.Teile der Pagan Metal Szene nutzen das Web „zur Hetze gegen das BIFFF“, das die Veranstalter des Musikfestivals in Berlin öffentlich kritisiert und eine Absage des Festivals vom SO36 fordert – deren Stellungnahme zu den Vorwürfen als pdf.Über die Gesamtausrichtung der Pagan Metal Szene sind sich die antifaschistischen Szenebeobachter aber auch nicht einig,eine einheitliche Szeneeinschätzung muss wohl noch entwickelt werden und der VS pennt wieder völlig bei der Wahrnehmung gefährlicher Musikströmungen.Eine klarere Abgrenzung der polytheistisch ausgerichteten Neuheiden vom Nazisumpf würde da schon Erleichterung zur Abgrenzung auch für Aussenstehende bedeuten.Und moderner Nazismus zeichnet sich nicht nur durch Hitlerismus aus,da wäre auch noch mehr Kenntnis der rechtsextremen Ideologien wahrzunehmen.Einige Bands,Labels und Fans sind aber „Neuheidentum galore“ von der ganz unangenehmen,braunen Sorte.

references:
Die Berliner Zeitung gibt Entwarnung: Die Berliner Antifa mobilisiert gegen das „Paganfest“ im SO 36 – zu Unrecht.

8 Comments

  1. Posted April 11, 2008 at 9:36 am | Permalink

    Stimmt leider. Allerdings enthält der vorangegangene Artikel Behauptungen und Einschätzungen, bei denen ich mich als bekennender Neuheide (und Antifaschist) schwer zurückhalten muss, um mich nicht beleidigt zu fühlen und diesen Unmut auch zu kommunizieren – ungeachtet der auch von mir beobachteten Tatsache, dass die „Pagan Metal“-Szene häßliche braune Flecken auf der schwarz-ledernen Weste hat.

  2. Posted April 11, 2008 at 3:10 pm | Permalink

    Hallo Martin,
    als langjähriger Leser deines Blogs sind mir die Unterschiede im Neuheidentum klar geworden – und dasS Antifas nicht unbedingt die qualifizierte Quelle für Religionskritik darstellen, ist eh klar.
    Ich habe beim ersten durchlesen der o.g. Nachricht sofort an dich gedacht – und AN die letzten Einwürfe in meinen Blogs zum Konzertort SO36 und dem dortigen Anti-Nazi-Ding.
    Deinen Unmut zu kommunizieren wäre toll,immerhin hat mich deine Gegenrede zur Dalai Lama Debatte um Colin Goldner’s Text“ auch nachdenklich gemacht – und das will schon was heissen: Bin ich doch ein alter, griesgrämiger Atheist.

  3. Posted April 14, 2008 at 10:31 pm | Permalink

    Hallo!
    Möchte mal einige Dinge anmerken:
    Zu der angeblichen Hetze gegen die Bifff kam es erst, nachdem diese Website die gesamte Pagan Metal Szene als Nazis beschimpft hat.
    Ja es stimmt durchaus, es gibt rechtsextreme Bands in der Pagan Metal Szene. Und die meisten heidnischen Metaller und auch die meisten Bands versuchen sich von denen abzugrenzen. Aber eben ohne unsere heidnische Gesinnung aufzugeben, denn genau diese macht schließlich die Pagan Metal Szene aus.
    Und da ist es wirklich schwer, wenn man versucht, sich nicht mit Nazis in einen Topf werfen zu lassen, wenn dann plötzlich so jemand wie der Herr Kratz daherkommt und die gesamte Szene als Nazi-Brut brandmarkt. Das macht es uns nicht gerade einfacher, gegen braune Strömungen innerhalb unserer Szene vorzugehen.
    Alle beim Pagan Fest auftretenden Bands haben sich wiederholt und öffentlich (soweit es Pagan Metal Bands möglich ist, sich öffentlich zu äußern, da unsere Meinungen ja leider meist nicht der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden) gegen die Nazis gewand.
    Ein Beispiel zum Umgang mit Nazis in der Pagan Szene: Als der Sänger der Band Taake vor etwas mehr als nem Jahr bei nem Konzert in Deutschland mit einem Hakenkreuz Tatoo auftrat, wurde er von den Fans beschimpft und das Konzert wurde abgebrochen und alle anderen Taake Auftritte in Deutschland umgehend abgesagt.
    Sieht so die Verschmelzung der Pagan Metaller mit den Nazis aus?
    Pagan Metaller sind freiheitsliebende Menschen. Im Dritten Reich wären wir daher mit als erstes ins Visier der Gestapo geraten.
    Wer sich also ernsthaft als Pagan Metaller bezeichnet, der KANN den Nazis gar nicht positiv gegenüberstehen.
    Wenn es uns möglich wäre, der Öffentlichkeit glaubwürdig zu zeigen, dass wir trotz Verehrung der heidnischen Götter und teils archaischer / kampfeslustiger Liedtexte nichts mit den Überzeugungen der Nazis zu tun haben und unsere Szene größtenteils aus sehr sympathischen und friedlichen Menschen besteht, dann würde das einmal die Angst und Ablehnung vor den ach so bösen Pagan Metallern mindern und dadurch auch den möglichen Einfluss aus der rechten Ecke eindämmen.
    Und nichts wäre mir lieber als das!
    Und damit bin ich nicht allein. Ich kenne viele Pagan Metaller und habe auch Kontakt zu einigen deutschen Pagan Bands und ich kenne darunter NICHT EINEN EINZIGEN Pagan Metaller, der Sympathie für die Nazis übrig hat.
    Soweit es mich angeht, haben die Nazis damals versucht unter Hitler unsere Tradition und unsere Zeichen zu missbrauchen. Und dafür haben sie nichts als meine (und nicht nur meine) Verachtung und Feindseligkeit zu erwarten.
    Wenn die linke Szene Pagan Metal mit Nazi Metal gleichsetzt, so haben wir es schwerer, gegen die Rechten unter uns vorzugehen, da wir genug damit zu tun haben, Attacken von linken Gruppen abzuwehren.
    Wenn die linke Szene dagegen nur gegen die wirklich rechten Bands der Szene publik macht, so werden auch die meisten Pagan Metaller auf der Seite der linken stehen!
    Ich kenne hier in Berlin nen Haufen Punks und mit den meisten komme ich prima klar.
    Pagan Metaller und Linke müssen also nicht notgedrungen aufeinander losgehen.

    Es wäre schön, wenn sich die linke Szene der Möglichkeit öffnen würde, dass bei weitem nicht die ganze Pagan Metal Szene von Nazis wimmelt. Es sind nur einzelne Bands, denen aber durch die Stimmungmache gegen die Pagan Metaller ein Einfluss eingeräumt wird, den diese eigentlich nicht haben. UND AUCH NIE BEKOMMEN DÜRFEN!

    So, genug der Worte fürs erste😉
    Würde mich freuen, wenn vielleicht einige Leser Lust haben, per myspace mit mir in Kontakt zu treten😉
    Und nicht zu viele Hassbriefe bitte, was für ein böser verkappter Nazi ich doch sei😛

    Schöne Nacht euch allen noch!

  4. Ratgeber
    Posted April 15, 2008 at 8:12 am | Permalink

    Hallo Ensaron,
    Ich bin kein Fan der Pagan-Metal-Musik,bei Therion ist der Horizont zu Ende.Das ist aber kein wirkliches Problem,es gibt ja zum Glück Religionsfreiheit und jeder entscheidet diese Sachen für sich selbst.Eine Pauschalverurteilung einer ganzen Musikszene ist falsch und deine Argumnete zur Abgrenzung von den Naziströmungen sind transparent und ausdrücklich zu loben.
    Ein Problem hatte ich sofort beim Besuch deiner myspace-seite. Du hast in deinem Kommentar geschrieben,das :“… unsere Szene größtenteils aus sehr sympathischen und friedlichen Menschen besteht“… . Nun ist auf deiner Seite dieses brutale Bild mit dem Wikinger,der einem Emokid mit der Axt den Kopf abtrennt,der Text dazu ist eindeutig: „Every time a emokid cries … a Viking returns from Vallhalla and dismembers him.“
    Das ist alles andere als friedlich.Sicher ist Dir nicht entgangen,dass unlängst in Mexiko Jagd auf Emokids gemacht wurde,du scheinst auch zu solchen Menschenjägern – zumindest im Geiste – zu gehören.Ein Nazi bist Du wohl nicht,aber an vermeintlich Schwächeren Individuen lässt Du auch gerne deine Aggressionen ab – das Bild auf deinem Myspace-Account legt das sehr nahe.Das solltest du ändern,oder deine Vorstellungen von „friedlich Leben“ entziehen sich völlig meinem Verständnis.

  5. Posted April 15, 2008 at 11:02 am | Permalink

    zu der sache mit dem emos mal nebenbei eine anmerkung: es meint selten jemand ernst, wenn er sagt dass er einen emo(core-fan) töten möchte.
    genauso wenig, wie die meisten metaler tatsächlich den mord oder die vergewaltigung anderer menschen ernstmeinen, auch wenn sie davon singen.
    es sind zwei verscheidene paar schuhe.
    die metalszene zeichnet sich nunmal dadurch aus, dass sie als gegenbewegung zur pop- (ursprünglich hippie)-kultut eben vornehmlich von tod und verderben spricht, während besagte andere szenen hauptsächlich über liebe und frieden erzählen, weil es sich besser verkauft.

    ich dachte zwar dass die zeiten, in denen eltern auf die straße gehen, weil ihre kinder „satansmusik“ hören (welche sie eigendlich nur nicht verstehen) vorbei sind, aber scheinbar ist dem nicht so. das ventil hat nur den namen geändert.
    nun ist sind es nicht mehr die satanischen botschaften, welche beim rückwärtsspielen einer schallplatte zu vernehmen sind, sondern böse faschistische inhalte, die beim fünfzenmal-hin-und-her-übersetzen in liedtexte hineinzu interpretieren sind.

    -heidentum ist kein faschismus-

  6. Posted April 15, 2008 at 7:13 pm | Permalink

    Wenn Stammtischgerede in der Praxis und auf der Strasse ankommt,sollte spätestens umgedacht werden. Ich jedenfalls bin schockiert von solchen Gewaltexzessen: Töte einen Emo! im Spiegel via Bratze
    PS: Ich bin auch nicht sündenfrei,habe ich mich doch noch vor eingen Wochen über die Emos lustig gemacht.

  7. Posted April 15, 2008 at 9:09 pm | Permalink

    ’n Abend!
    Habs doch gewusst, dass es nen Kommentar zu dem Emo-Bild kommen wird xD
    Also einmal ganz allgemein: Ich bin gegen JEDE Aktion, bei der irgendwelche Leute gehetzt oder gejagt werden.
    Das besagte Bild soll auch kein Aggression ablassen an Schwächeren sein. Ich habe es in einem Anflug von schwarzem Humor in mein Profil aufgenommen, nachdem ich über Tage hinweg immer wieder Freundschaftsanfragen von Emos und entsprechenden Bands bekommen hatte. Und wer von mir als Freund aufgenommen werden möchte, sollte entweder einige Gemeinsamkeiten aufweisen oder mich zumindest anschreiben^^ Naja und nachdem ich mehrere Tage lang jeweils ein dutzend oder mehr Anfragen abgelehnt hatte und mir n Bekannter dieses Bild gezeigt hatte, hatte ich es halt in mein Profil aufgenommen^^
    Aber es sei euch versichert, ich werde weder an Emos noch an anderen Menschen Aggression auslassen, denn damit würde ich mich auf das Niveau von Nazis begeben, die Schwächere verprügeln, weil sie selbst Feiglinge sind und sich gegenseitig beweisen müssen, dass sie ja alles richtige harte Kerle seien.
    Und wenn ich mich von Zeit zu Zeit ein wenig über Emos oder andere Menschen lustig mache, so ist dieses nicht ernst oder verletztend gemeint und ich werde jeden Emo zu jeden Zeitpunkt freundlich und mit Respekt behandeln.
    Ich reg mich auch gern über Hopper / Prolls und ähnliche Menschen auf, aber ich habe es schon des öfteren erlebt, dass man auch mit Angehörigen solcher Subkulturen interessante Gespräche führen kann.
    Von daher pflege ich zwar eher humorvoll gemeint gewisse Vorurteile, aber jeder einzelne Mensch wird von mir als das behandelt, was er ist: Ein eigenständiges Individuum, dem ich freundlich gegenüberstehe, solange mir kein wirklich triftiger Grund gegeben wird, mich anders zu verhalten.
    Die einzigen Menschen, die ich davon ausnehme, sind Nazis, denn die liefern mir genannten Grund bereits durch die Tatsache, dass sie Nazis sind😉
    Außerdem hab ich schon sympathische Hopper, Prolls, Emos, Pop-Musik-Hörer, etc getroffen.. Aber noch NIE nen sympathischen Nazi. (Die beiden Begriffe passen einfach nicht zusammen und sollten eigentlich auch nie in direktem Zusammenhang genannt werden^^)

  8. Posted April 15, 2008 at 9:59 pm | Permalink

    Hallo Ensaron,
    mhhh,dann zwingt die Netzkommunikation – hier am Beispiel von myspace – dem Menschen also auch solche harten Abgrenzungsaktionen ab und die Vermutungen vom Ratgeber sind somit Fehlinterpretationen.
    Zu den Emokids habe ich ja einen Beitrag vor diesem schon meinen Senf abgelassen,bis vor einigen Wochen dachte ich immer mehr an Kids,die sich die Unterärmchen ritzen und zu Marilyn Manson Konzerten rennen.
    Aber zurück zum eigentlichen Thema,dem Pagan Metal Festival.In der Metalszene war ich so bis Ende der 90iger unterwegs,als Fortentwicklung des Hard Rock haben mich zu der Zeit z.B. Pantera, Slayer, Kreator, Sodom und Sepultura musikalisch sehr beeindruckt. Gleichzeitig war das Hardcore-Ding seit den 80igern immer wieder Anlass,zu Konzerten zu gehen – dort gibt es ja auch jede Menge Ausdifferenzierungen (Krishna,Vegan,Crust,etc.) bis hin zu dem extrem R’n’Roller GG Allin,naja,der war ja dann eher unappetitlich.
    Das Pagan-Thema ist aber ziemlich an mir vorbei gegeangen,ich habe also kaum einen Einblick in de Inhalte und Selbstverständnisse dieser Kultursparte.Ins Neuheidentum hat mir Martin Marheinicke einige Einblicke gebracht,sein Blog MMSenf ist sehr zu empfehlen.
    Bin gespannt,wie das mit dem Festival im SO36 weiter geht.


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