Abschied von Schrippe

Dieser Freitag war der Tag,den ich vor 4 Wochen noch nicht denken konnte.Schrippe eingeäschert in einer Urne,platziert in der Trauerhalle im Krematorium Ruhleben.Es sind viel mehr als die erwarteten 60 Menschen zum Abschied gekommen – trotz des BVG-Streiks. Aus der Trauergemeinde kam viel Unterstützung,der BVG-Streik wurde über einen PKW-Shuttle weitestgehend abgefedert.Eine Glanzleistung der Selbstorganisation.

Die Mutter von Schrippe richtete einige treffliche Dankesworte an die Trauergemeinde, Prof. Jesse und Prof. Jann würdigten ihn als Mitarbeiter und Persönlichkeit,ebenso die SPD-Spandau. Schwanensee erklang: Schrippe wünschte sich diese Musik zum Geburtstag von seiner Mutter,er wäre am kommenden Sonntag 27 Jahre alt geworden.

Sein Tod bleibt mysteriös,der endgültige Abschied vom Menschen Schrippe ist unausweichlich,ich konnte nicht mehr weinen,eine innere Versteinerung überkam mich während der Trauerfeier.Ich hörte die Worte der Erinnerung im Raum,es waren gute Worte,tröstende Worte.

Diese Versammlung eines breiten Spektrums von Personen aus Schrippes Leben in diesem Bau aus Beton, diese breite Traurigkeit auf den Gesichtern,diese tiefe Ratlosigkeit über das,was wohl am 01.01.2008 mit Schrippe passiert ist,all diese Eindrücke liessen mich innerlich und äusserlich völlig verstummen.Zu jedem noch so abseitigen Thema in Politik,Netz oder Kultur reisse ich das Maul auf,einer meiner besten Freunde ist Tod und ich habe nur einen Kloss im Hals und kriege die Zähne nicht auseinander.

Ich hätte mir gewünscht, Zettel,Oli und Kroppi (wo steckst Du eigentlich?) wären auch da gewesen.Auch die „Gender-Frau“ von der HU/Uni-Potsdam hätte ich gerne kennen gelernt – Schrippe wollte mich dieses Jahr mit diesser Dozentin bekannt machen, um mehr über Foucault in einer gemeinsamen Debatte zu erfahren.

Nach dem verlassen der Trauerfeier tröste ich Freunde,ich sehe mich in ihren tränenüberlaufenen Gesichtern zurückversetzt an diesen schrecklichen 03.01 – den Abend der telefonischen Todesnachricht durch den Mund der Mutter.Ich habe an diesem Abend stundenlang auf meinem Bett gelegen und geweint.Abgelöst wurden die Atacken in dieser Nacht nur von meinem zyklischen nicht Wahrhabenwollen,er kann doch nicht so einfach Tod sein,ich träume das nur,das ist keine Realität.Zuppi,wach endlich auf!

Ich bin aufgewacht.Von vorgestern auf gestern hat mich mein Besuch aus Köln sehr gestärkt,diesen unwirklichen Tag auch anzugehen. Die Gespräche auf den anschliessenden Beisammensein rundeten den Abschied von Schrippe ab.Schrippes Onkel hat sich als genau der Mensch erwiesen,den mir Schrippe immer beschrieben hat:Klar,unterstützend und immer hinter das scheinbar Offensichtliche schauend,ein Mensch,der die Kulissen wegschiebt um das Wesentliche offenzulegen.

In mir wabert weiterhin die Ungewissheit. Die Ermittlungsbehörden bearbeiten Schrippes Tod zwar als Kapitalverbrechen,aber die Suizidannahme ist auch immer noch in Arbeit.Auch die Laborergebnisse sind derzeit noch offen.Hier ist noch weiter Geduld aufzubringen.Aber der Geduldsfaden wird auch nicht länger.

Sieben Jahre habe ich Schrippe gekannt, unsere Freundschaft kommt mir in der Rückschau als eine viel länger erlebte Zeit vor. Aber: Das Spiel ist aus,es gibt eine Erinnerung und keine gemeinsame Zukunft mehr. Das ist hart.

4 Comments

  1. Malerei
    Posted Februar 5, 2008 at 5:05 pm | Permalink

    Lieber Zuppi

    In der Tat liegen sowohl der Zeitpunkt der Todesnachricht als auch der Termin des gemeinsamen Abschieds und auch der Grund für die Wahl dessen in unseren beiden Fällen sehr nah beieinander. In der ersten Sekunde dachte ich gar, wir würden einen gemeinsamen Bekannten betrauern..
    Ich möchte mich für die Anteilnahme bedanken und unbekannterweise, doch von Herzen die meine ausdrücken.
    Alles Gute und viel Kraft…

    Malerei

  2. Posted Februar 6, 2008 at 7:04 pm | Permalink

    „banause“,bist du es?
    ich hab die letzten wochen auch immer an dich gedacht. dein verlust hat mich sehr berührt.
    dieser bekackte januar hat echt einen riesen kübel scheisse auf meiner seele ausgekippt.
    herzlichst
    zuppi

  3. Malerei
    Posted Februar 11, 2008 at 5:19 pm | Permalink

    Ja ich bins.
    Es scheint nicht unser Jahr werden zu wollen..
    Auf der Totenfeier war ich am meisten davon beeindruckt wie sich Leute meiner angenommen haben die ich gar nicht kannte. Dadurch ist es mir leichter gefallen Abschied zu nehmen weil ich mir sicher sein konnte, daß der gute Mensch, der uns verloren gegangen ist, in den Herzen vieler anderer weiterlebt. Ich vermute und hoffe deshalb es hat Dir geholfen, Dich und die Deinen durch die Internet-Kondolenzarbeit zu versichern, daß Schrippe ebenfalls nicht vergessen wird.
    Und ich wünsche Dir daß Du es schaffst mit der im Raum stehenden Ungewißheit umzugehen. Ich habe gehört daß man bis zu einem halben Jahr auf die Folter gespannt werden kann.
    Liebe Grüße
    malereiminister

  4. Posted Februar 11, 2008 at 9:47 pm | Permalink

    virtuelles trauern war mir völlig neu.schrippe war ein mensch des webs und so war es nur folgerichtig,seinen tod auch dort zu bearbeiten.
    die vergewisserung,ein lieber mensch wird nicht vergessen,ist auch eine sehr wichtige funktion meiner trauer.ich war doch sehr überrascht,in welchen vielseitigen kreisen schrippe so unterwegs gewesen ist,er war eben ein netzwerker.
    die wartezeit auf abschliessende ermittlungsergebnisse wäre nicht so unerträglich,wenn am ende auch eine auflösung herauskäme – ich hoffe das trotz der beschissenen anfangsarbeit der ermittlungsbehörden immer noch.
    dir,lieber malereiminister,wünsche ich auch ein gutes zurandekommen mit dem verlust von ramin.der tod von lieben menschen hat immer etwas traumatisierendes – ich werde mich wohl doch wieder auf die couch deshalb begeben.
    herzlich
    zuppi


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