Kapitalismuskritik einmal anders

der bildschirmarbeiterDer Bildschirmarbeiter David Harnasch kümmert sich dieses Mal um einen Beitrag von 3sat-Kulturzeit über die YES MEN (29.10.2007) – der ahnungslosen Redaktion ist ihre Verwechslung von WTO mit WHO in ihrem Beitrag chronisch nicht aufgefallen. YES MEN ist seit den 90igern eine Künstlergruppe von Kapitalismuskritikern, die in die Rolle von Sprechern führender Wirtschaftsorganisationen wie z.B. WTO , Dow Chemical , Halliburton etc… schlüpfen und überspitzte bis verhohnepipelnde Statements zu ökonomischen Fragen auf Konferenzen und in Interviews vertreten. Vor Schadensersatzansprüchen sind die YES MEN durch die „taktische Peinlichkeit“ ihrer Opfer geschützt.

In der „Höhle der Bestie Kapitalismus“ fällt den Zuhörern der Klamauk meist garnicht auf, aber die Börsenmärkte reagieren gnadenlos: Das von den YES MEN lancierte, grosszügige Restitutionsangebot von Dow Chemical an die Opfer der Giftgaskatastrophe in Bhopal/Indien von 1984 senkte den Börsenwert des Unternehmens um 2 Mrd. USD, das glaubhafte Dementi des Unternehmens korregierte den Wertverfall wieder. So konnten Kapitalismuskritiker auch einmal an der Börse mitspielen und den Multis in die Suppe spucken. Dieser spielerische Umgang mit der Kapitalismuskritik ist natürlich sympatischer als die Traktate und Aktionen antiimperialistischer, nationalsozialistischer oder modernisierungsverweigernder Grüppchen. Auf mich wirkt aber diese „identity correction“ führender Firmen und Institutionen durch die YES MEN wie die postmoderne Variante der medialen Sau, die wieder einmal durch das (globaliserte Nachrichten-) Dorf getrieben wird, das bringt mediale Aufmerksamkeit und animiert auch zum nachdenken. Künstler dürfen in der freien Welt eben viel ausprobieren.

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