Kleinkunstpreis 2007

Didi Hallervorden hat mit seinem Theater am Theodor Heuss Platz in Berlin ein modernes Kabarett zurück nach Berlin gebracht. Die Wühlmäuse knüpfen an eine West-Berliner Kabaretttradition an, die seit den 90igern fast ausgestorben schien. DIE DISTEL und Phil im Mehringhoftheater sind eine nicht vergleichbare Liga. Nun lobte Hallervorden dieses Jahr den Wettstreit um den Kleinkunstpreis 2007 aus.

Matthias EgersdörferDieses Jahr hat Matthias Egersdörfer aus Franken in Bayern den Jurypreis erhalten, und ich finde, voll und ganz verdient für die urtypische Trias „Mutter-Fleischereifachverkäuferin-Kind: Wie sagt man ???“ – natürlich das Danke-Sagen-Spiel.

Egersdörfer kommt wie ein vierzigjähriger, übel gelaunter Fleischergeselle mit verbalem Hackebeil  daher, mit fränkischem Akzent düpiert er das Publikum mit frontalen Verbalüberraschungsangriffen: Fragen, Beschimpfungen und Einbeziehungsversuchen. Er schreit lauthals herum, denkt laut nach, assoziiert seine Verzweiflungen und Traumata frei in den Raum und ein bischen wirkt er , wie ein aus der Irrenanstalt entlaufener Paranoiker, der auf allen elementaren Ebenen der Sozialisation von klein auf zu kurz gekommen ist. Sehr sehenswert! Böse Zungen behaupten ja, auf den Brettern am Theo würde das darstellende Prekariat das geistige Prekariat in den Rängen um die letzten Eurocent erleichtern. Eine boshafte Projektion, mehr nicht!

Einen Kommentar schreiben

Required fields are marked *
*
*

%d Bloggern gefällt das: