Gipfelrauschen VI: High Noon

Nun ist es so gekommen,wie viele erwartet haben: Die zu hinterfragenden Anliegen der friedlichen Mehrheit der G-8 Protestler in Rostock gehen unter, weil autonome Strömungen die Riots mit den Sicherheitskräften suchen und leider auch finden, die Medien wirken auch nicht undankbar über solche Vorkommnisse.Die mediale Protestinszenierung wäre eine ausführlichere Untersuchung in den Medien- /Fernsehwissenschaften wert, mein Titelvorschlag: „La Rue – die Strasse – Ausserparlamentarische Protestinszenierungen von Seattle 1999 bis Heiligendamm 2007“. Das ist Stoff für mindestens eine Magisterarbeit. Die von den Veranstaltern erwartete Zahl von 100 000 Demonstranten wurde auch nicht erreicht, die Polizei spricht von um die 30 000 Demonstranten, die Veranstalter gehen von ca. 60 000 Menschen aus. Der G-8 Gipfel dauert noch bis zum 8. Juni 2007, da kann noch einiges passieren.
Aktuelle Meldungen der ARD-Tagesschau:

Krawalle überschatten G8-Proteste in Rostock

Ein Autonomer vor einem brennenden Auto © AP

Am Rande der Anti-G8-Demonstration in Rostock ist es am Sonnabend zu schweren Ausschreitungen gekommen. Autonome warfen Steine, Flaschen und Brandbomben und entzündeten kleinere Feuer. An einer mehrspurigen Straße am Rostocker Stadthafen wurden Autos umgestürzt. Es kam zu einer Straßenschlacht mit der Polizei. Diese setzte nach eigenen Angaben Schlagstöcke und Pfefferspray gegen eine Gruppe militanter Demonstranten ein. Mehrere Hundertschaften der Polizei waren im Bereich des Stadthafens im Einsatz, um die Ausschreitungen zu unterbinden. Hubschrauber kreisten über der Stadt. Nach Polizeiangaben wurden fast 150 Beamte bei den Ausschreitungen mit gewalttätigen Autonomen verletzt. Es seien auch sehr schwere Verletzungen dabei, sagte ein Sprecher. Eine Polizeisprecherin berichtete von Dutzenden Verletzten auch auf Seiten der Demonstranten. Nach einer ersten Bilanz der Polizei gab es 17 Festnahmen und Dutzende von Ingewahrsamnahmen.

Situation am frühen Abend erneut eskaliert

Ausschreitungen am Rande der Großdemonstration in Rostock. © AP

Die Situation war am frühen Abend erneut eskaliert. Mehrere Autos brannten, nach Polizeiangaben wurden auch Straßenbarrikaden errichtet. „Die Autonomen schlagen alles kurz und klein, was sich ihnen in den Weg stellt“, sagte ein Polizeisprecher. Augenzeugenberichten zufolge spielten sich panikartige Szenen ab. Polizeihundertschaften seien mit mehreren Wasserwerfern auf das Demonstrationsgelände vorgerückt. Viele der Demonstranten seien in Panik geflüchtete. An den Sanitätswagen bildeten sich lange Schlangen, viele litten unter den Folgen von Tränengas. Die Polizei forderte die Veranstalter auf, auf die Demonstranten einzuwirken und so einen ruhigen Verlauf zu gewährleisten. Ansonsten seien die Einsatzkräfte gezwungen, die Veranstaltung aufzulösen.

Polizei: Einsatzkräfte wurden angegriffen

Auseinandersetzung zwischen Demonstranten und Polizisten am Rande der Großdemonstration in Rostock. © dpa

Die Polizei gab an, sich bei den Protestzügen am Nachmittag weitgehend zurückgezogen zu haben. Einer der beiden Züge sei absolut friedlich verlaufen, während es im zweiten Zug zu Auseinandersetzungen zwischen gewaltbereiten Autonomen und der Polizei gekommen sei. Ein Block schwarz-vermummter Demonstranten habe sich aus dem Zug gelöst und mit Steinwürfen und Fahnenstangen gezielt Beamte angegriffen. Auch die Scheiben einer Bank wurden eingeworfen. Im Laufe des Nachmittags beruhigte sich die Lage zunächst, dann kam es am Rande der mehrstündigen Abschlussveranstaltung im Stadthafen zu neuen Zusammenstößen zwischen gewalttätigen Demonstranten und der Polizei. Die Zahl der gewaltbereiten Demonstranten schätzte die Polizei auf 1.500. Die Einsatzkräfte hätten versucht, diese Teilnehmer von der übrigen G8-Demonstration zu trennen. „Die Angriffe sind eindeutig von gewaltbereiten Linksradikalen ausgegangen“, sagte ein Sprecher der Polizei.

Ein Sprecher der Demonstrationsveranstalter warf hingegen der Polizei vor, die Auseinandersetzung durch gezielte Provokationen ausgelöst zu haben. Auch der Koordinator des Anti-G8-Bündnisses, Monty Schädel, sagte: „Wenn hier Polizisten in tausende Menschen reingehen, kann das nur als Provokation gelten.“ Der Geschäftsführer des Netzwerks Friedenskooperative, Manfred Stenner, sagte hingegen, die Polizei habe sich an ihren deeskalierenden Kurs gehalten. Ihr sei kein Vorwurf zu machen. Die Randalierer sollten nun davor überzeugt werden, die Einsatzkräfte nicht weiter zu attackieren. „Wir werden hart daran arbeiten müssen, den entstandenen Schaden zu reparieren“, sagte Stenner.

Situation „mit der so nicht zu rechnen war“

Mehrere Tausend Menschen nehmen an der Großdemonstration in Rostock teil.  © dpa

Werner Rätz vom Organisationskomitee sagte, es sei eine Situation eingetreten, „mit der so nicht zu rechnen war“. Rätz‘ Angaben zufolge beteiligten sich an der friedlichen Demonstration der Globalisierungskritiker insgesamt etwa 80.000 Menschen – die Polizei bezifferte die Zahl der Demonstranten dagegen auf 25.000. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace sprach von einem „überragenden Erfolg, mit so vielen Menschen hier in Rostock in einem breiten Bündnis zu demonstrieren“. Greenpeace sei es wichtig gewesen, den Klimaschutz beim G8-Gipfel zum Thema zu machen. „Und das ist uns gelungen.“

Zehntausende Demonstranten protestieren friedlich

Als Könige verkleidete G8-Kritiker stehen zu Beginn der Rostocker Demonstration an Bronzeplastiken, die hungernde Menschen darstellen. © dpa

Die Demonstrationszüge der G8-Kritiker hatten sich am Mittag friedlich in Bewegung gesetzt. Auf zwei Routen zogen die Demonstranten durch die Innenstadt. Mit übergroßen roten Luftballons, Fahnen und Transparenten protestieren sie gegen Krieg, Aufrüstung und Hunger in der Welt. Am Morgen waren überfüllte Sonderzüge mit Teilnehmern der internationalen Großdemonstration in der Stadt eingetroffen. Auch 170 Busse kamen nach Rostock. Die Innenstadt wurde komplett für Fahrzeuge gesperrt. Die Proteste unter dem Motto „Gegenwind für G8 – Eine andere Welt ist möglich“ sollten nach Angaben der Organisatoren „kämpferisch und laut, aber friedlich“ ablaufen. Nach der Abschlusskundgebung am Stadthafen war ein musikalisches Programm geplant. Unter anderem sollen die Bands Juli, Wir sind Helden und Madsen auftreten.

Organisatoren: „Rostock wird nicht Hamburg“

Einige Teilnehmer der Großdemonstration in Rostock haben sich Masken aufgesetzt. © dpa

Organisiert wurde die Protestaktion von einem Bündnis globalisierungskritischer, politischer und kirchlicher Gruppen. „Rostock wird nicht Hamburg“, hatte Sabine Zimpel von der Demo AG am Freitag mit Blick auf die gewaltsamen Auseinandersetzungen am Rande des EU-Asien-Außenministertreffens am Pfingstwochenende in Hamburg gesagt. Auch Rätz erwartete eine friedliche Demonstration. Mit der Demonstration wollten die Teilnehmer ihren Forderungen zum Kampf gegen den Klimawandel, gegen den Krieg und für eine gerechtere Weltwirtschaft Nachdruck verleihen. Auch die Polizei hatte im Vorfeld einen friedlichen Verlauf der Großdemonstration erwartet. Es gebe keine belegbaren Befürchtungen, dass es zu Gewalttaten kommen könne, sagte Polizeichef Knut Abramowski. Allerdings sei nicht auszuschließen, dass es am Rande zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Ordnungskräften komme. Diese seien einkalkuliert. „Das gehört zur polizeilichen Pflichterfüllung“, sagte Abramowski. Mithilfe von Gesprächen mit Demonstranten wollte die Polizei Ausschreitungen verhindern. 60 Konfliktmanager sollten nach Angaben der Leiterin der Konfliktmanager, Bianca Glöe, im Einsatz sein, um in brenzligen Situationen Kontakt zu den Demonstranten aufzunehmen und Konflikte durch eine direkte Ansprache zu vermeiden. Vor allem „erlebnisorientierte Jugendliche“ könnten auf diese Weise häufig von Gewalttaten abgehalten werden, sagte Konfliktmanager Thomas Treptow. Stand: 02.06.2007 19:21

references:

G8-Demo in Rostock: Was ist passiert? von rollmops im kanzlerbunker
Eine andere Welt ist möglich
von Statler
1977 – 2007: Stehen wir vor einer neuen Periode politischer Kriminalität in Deutschland? von Zettel
Heil, wie … Heiligendamm.Nationalrevolutionäre Sammlung an der Ostsee von Fluchschrift
Die Sichtweisen der Gipfelstürmer
und Bewegungsradio
Gipfelrauschen V

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