Tresor Revival

Der Tresor macht wieder auf – N24 meldet das gerade eben. Nicht am alten Ort – das geht nicht mehr, der wurde 2005 in die Luft gesprengt – und die Crew um D. Hegemann soll auch eine andere sein, aber das Label wird widerbelebt. Meine Wege im Berliner Nachtleben der Vor- und Wendezeit (1988-1992) haben mich öfters ins E-Werk geführt – danach ging es öfters auch in den Tresor – , herrliche Parties, sehr gute DJs und auch Djanes haben manches Weekend lebendig, kurzweilig und neuartig gestaltet. Das Publikum war metropolitan, international, oft extravagant gestyled und meist nicht verstrahlt.

Ein grosser Discohänger war ich eh nie, lieber waren mir Konzerte in düsteren Spelunken und Clubs, von Jazz, Blues, R&R bis Punk und Wave. Ende der 80iger wurde ich in London auf Acid-House Parties aufmerksam – das war abenteuerlich, weil illegal und völlig neu. Zur richtigen Party zu gelangen war in der Vorhandyzeit (es wurde über Papierzettel kommuniziert) ein Katz und Maus Spiel zwischen Fangemeinde und Sicherheitskräften mit oft leider völlig offenem Ausgang. Hatte man es aber zum Event geschafft, war stundenlanges zappeln und Aciiiid-rufen auf dem Programm.

Aus Ibiza hörte ich ähnliche musikalische Trends und in West-Berlin entwickelte sich in der Vorwendezeit eine lebendige, atraktive Subkultur der elektronischen Mix-Musik – der Raver war als Stereotypie noch nicht erfunden – , die in der Wendezeit in die Mitte wanderte, kommerziell erfolgreiche Konzepte waren dann später das E-Werk, 90° und der Tresor. Ich war lieber im Walfisch, UFO, Frisör oder den vielen anderen namenlosen Projekten, die für einige Monate zwischen Schöneberg, Kreuzberg, Friedrichshain, Prenzlauer Berg und Mitte aufblitzten und dann aus unerfindlichen Gründen wieder dicht machten.

Im Radio wurden einmal in der Woche von Monika Dietl auf Radio100 die besten elektronischen LP-Mixe aus England, USA und Europa vorgestellt, in den Locations selber liefen dann aber meistens ganz eigene Musikprogramme/Sets. Die Tropfsteinhöhle in Kreuzberg, wo Dr. Motte seine Eingebungen erhalten haben soll, fand ich übrigens am ätzendsten. Alles weitere ist dann wohl Musikgeschichte, genauer gesagt Technomusik- und Ravergeschichte und die ist bei Sven Väth – dem Plattentellerschamanen und Hessekopp – wohl in besten Händen. Den Tresorleuten meine besten Wünsche zum Gelingen😉

references:

Video: Dimitri Hegemann erklärt sein neues Konzept

document.write(linkTotal); media_video_desc(63,’…‘,’Der legendäre Club Tresor hat ein neues Zuhause‘); Der legendäre Club Tresor hat ein neues Zuhause

“Neon-Shirts und Kuhfelljacken” von place2be

Film-Doku: «Tresor Berlin: The Vault & The Electronic Frontier,2004-UK» Starring: Dimitri Hegemann, Tanith, Malgorzata Rok, Jeff Mills, Carola Stöiber. Directed by: Michael Andrawis

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