noch einmal die RAF

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Sie geht der Republik durch Mark und Bein,die RAF und ihre umstrittene Bedeutung. Man könnte fast meinen,der Holocaust soll als identitäres Projekt der Deutschen abgelöst werden. Nun hat sich Horst Köhler endlich zu einem Endpunkt seiner Bedenkzeit durchgerungen,er hat Fachleute, Opfer und nun auch den Begnadigungsaspiranten Klar höchst selbst persönlich in Süddeutschland gesprochen. Er hat sich die Entscheidung offensichtlich nicht leicht gemacht. Nächste Woche ist es dann soweit, ein unbelehrbarer Protagonist einer politischen Irrlehre hat die Möglichkeit, 18 Monate vorzeitig aus der langjährigen Haft entlassen zu werden. Wahrscheinlich wird er seine Irrlehre weiter verfolgen, sich Zuhörer suchen. Ich bin nur noch gespannt auf die Begründung von Horst Köhler,nach soviel Bedenkzeit sollte eine bahnbrechende Position veröffentlicht werden. Sonst beschleicht mich der Verdacht,er wollte nur Zeit schinden oder er ist wirklich so langsam. Die bundesdeutsche Rechtspflege hat in jedem Fall noch eine Bringschuld an Michael Buback, der möchte wissen,wer genau seinen Vater ermordet hat.

Ulrike München 2007

Elfriede Jelinek hat einen Text zur RAF-Debatte geschrieben. „Ulrike Maria Stuart“ heisst das Drama, das die Jelinek nicht zum Lesen veröffentlichte. Vielmehr wird es nur zur dramatischen Inszenierung von ihr herausgegeben, derzeit an das Thalia-Theater in Hamburg und die Kammerspiele in München. Zwei sehr unterschiedliche Inszenierungen erwarten den Zuschauer. In Hamburg geht es phasenweise fast burlesque-heiter zur Sache – ich musste sehr oft lachen – die Meinhof wird als Vorstandsvorsitzende der Ausgebeuteteten, Aktionistin, Knacki, Frau, Mutter, Untote und Konkurrentin der blonden „Trockenvotze“ – so titulierten sich die idealistischen Weltverbesserer im Gram gegenseitig – Gudrun E. über die Bühne gescheucht – Wiederaufnahme im Juni 07. In München wird über weite Strecken familiär psychologisiert bis die Schwarte kracht – die bleierne Zeit kehrt dort mehr als einmal in den Zuschauersessel zurück. Bettina Röhl hat sich schon über das Werk beschwert,ich denke,sie war auch in Hamburg dabei:

„Was Jelinek liefert, ist ein einziger Schmarrn. Sie verhökert viele real existierende Fiktionen meiner Lebensgeschichte und meiner Familie.“ [Abendblatt HH]

Heute wird die Hamburger Inszenierung auf dem 44. Theatertreffen in Berlin auf die Bühne gebracht und medial auf 3sat live in die bundesdeutschen Wohnzimmer übertragen .

references:
tt07 Pressematerial
Marginalie: Mörder trifft Präsidenten von Zettel
Nur krass? Über Jan Delays „Herzensangelgenheit“ räsoniert anaximander

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