Der Kampf gegen den Terror: Fraktale

Für die USA ist der Kampf gegen den Terror eine ganz einfache,mitlitärstrategische Operation: Wer uns angreift oder bedroht, bekommt ein grösseres militärisches Potential vor die Nase gesetzt und er kann sich dann überlegen, ob er seine Bedrohung aufrecht erhalten will. So wurde die kommunistische SU und ihr ganzer Pakt letztendlich an die Wand gerüstet und über den Jordan der Geschichte geschickt – den Eigenanteil am Zerfall des Realsozialismus vernachlässige ich heute einmal. Nun wird ein Raketenschild von den USA projektiert, der gegen die zukünftigen nuklearen Bedrohungen aus dem Iran schützen soll und zwar die USA und Europa gleichermassen. Aber in der BRD fühlt sich einfach kaum jemand bedroht von dem Ort der islamistischen Friedensfürsten in Teheran – das Friedensatomprogramm der Mullahs wird fast überall auf der Welt (gelegentlich vor gehaltener Hinterhand) gerühmt – in der EU haben nur in Polen und Tschechien die verantwortlichen Politiker ein Einsehen in diese Bedrohungslage. Im Bundestag aber herrscht grosse Einigkeit von der Regierungskoalition bis hin zur FDP und PDS: Ein Raketenschild sei völlig unnütze, und schon gar, wenn nur Mr. Bush oder Mrs. Clinton den Abzug am roten Knopf betätigen dürften. Wenn überhaupt, möchte die EU mit der NATO (… UNO und ATTAC sekundieren ganz selbstbewusst auf ihrer Friedensorgel den Wir-sind-die-Umfaller-Choral) den Schutzschild möglichst effektiv zerreden können – und Russlands Gasmann gibt die Stichworte vor. Da nehmen sich weder Angie noch Guido noch Schröder irgendetwas weg. Eine undurchschaubare Phalanx des nationalen Interesses schmiedet sich da gegen die USA zusammen. Wohin das führen wird,ist mir noch unklar.

Old Europe versteht den Kampf gegen den Terror offensichtlich ganz anders, dessen internationales Selbstverständnis erinnert mehr an das eines Sozialarbeiters. Es wird grundsätzlich auf Verhandlungsoptionen gesetzt und solange diese nur auf Kosten der USA ausgetragen werden, fühlt man sich in old-europe völlig wohl. Nun hat Angie den undankbaren Job, die ganze EU, also old- und new-europe unter einem eropäischen Dach zu vereinen, das schon lange mehr als undicht beschaffen ist. Mit Gasonkel Wladimir wird eine Paris-Berlin-Moskau Achse aufgebaut, in der Warschau und Prag selbstverständlich nur Zaungäste bleiben sollen, als Preis für diesen Platz im politischen Parkett sollen die dann noch die vertriebenen Deutschen nach WKII glücklich machen. Sehr perfide.

Einen ganz anderen Inhalt bieten uns Aicha El-Wafi aus Narbonne in Frankreich und Phyllis Rodriguez in White Plans aus New Jersey. Ein wahres Rührstück von mütterlichem Verständnis und tiefem Mutterstolz wird von diesen beiden Damen herübergebracht. Aicha hat einen Sohn, der mit für das WTC-Attentat an 9/11 verantwortlich ist – er sitzt dafür in lebenslanger Isohaft in den USA und Phyllis‘ Sohn war Opfer des WTC-Attentats – und liegt wohl zerstäubt auf ground-zero oder einer Müllkippe in New Jersey- , er war aber noch zu Lebzeiten auch ein ausgesprochener Gegner der Todesstrafe, was seine Eltern als den eigentlichen Auftrag nach dem Tod ihres Sprösslings verstanden wissen wollen – eine Art Kampagnen-Vermächtnis. Und um die Sache noch komplizierter zu machen: Aichas Sohn verflucht seine Mutter aus der Haft heraus für ihren westlichen Lebensstil – sie ist Postbotin und zu bescheidenem Wohlstand gelangt und ihr ist die Verurteilung ihres Sohnes auch völlig schnuppe. Das ist alles garnicht so einfach zu ordnen mit dem Kampf gegen den Terror.

References:
Sind wir nicht alle ein bischen Lafo? Causa Westerwelle, FDP am Arsch: Tobias Kaufmann und Statler

Zettels Gedanken zum Raketenschutzschirm ,speziell der Antiamerikanismus

Der neue Kalte Krieg von critique :: Hector Calvelli

4 Comments

  1. Posted März 20, 2007 at 5:37 pm | Permalink

    Ex-General Naumann ist der Kragen geplatzt; er hat die Dummschwatz-Politiker zurechtgewiesen. Die Steinmeiers und Becks können nicht unterscheiden zwischen Abwehrsystem und Raketenneuinstallation – aber eben: die beiden wurden vom Volk gewählt. Sie benötigen keine Fachkompetenz; sie können alles….

  2. Posted März 20, 2007 at 6:54 pm | Permalink

    hallo anaximander;)
    wenn es nur die doofheit wäre,das koennte geloest werden: eine mongokrippe für politfreaks oder sowas in der art koennte hilfreich sein.ich befürchte aber eine zugrunde gelegte ideologische systematik,die als geistiger spasmus getarnt daherkommt – parlamentarische spannbreite: von der regierungskoalition über die fdp bis zur sed. das ist mehr als bedenklich.

  3. Posted März 20, 2007 at 11:50 pm | Permalink

    Logisch, ist das bedenklich. Aber schau mal die Beweggründe an: die SPD will sich beim Wähler einschmeicheln oder, wie SpOn schreibt, schrödern, die SED ist an sich schon eine Katastrophe, der Fastkanzler Oskar scheint den Verstand vollkommen zu verlieren, der Rest seiner Partei ginge am liebsten Hand in Hand mit Chavez auf einen obskuren Kommunismus zu, während ein Westerwelle zu einer beliebigen Windfahne geworden ist und die CDU – naja, die schrödern mit, weil sie sich vom Merkeln nicht allzuviel erhofft.

  4. Posted März 21, 2007 at 11:14 pm | Permalink

    populismus ist ein bedeutender und gleichzeitig ärgerlicher aspekt politischer auseinandersetzung.ich frage mich,ob dem eine ideologie zugrunde liegt?


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