Geplantes Rechtsrock-Konzert in Lippstadt

Bündnis gegen Rechts (Lippstadt) 13.12.2006 16:19 Themen: Antifa

 

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Am 23. Dezember soll in der Lippstädter Gaststätte „Zum Hubertus „ein Konzert mit der Böhse Onkelz-Cover-Band „Falsche Propheten“ und der Metalband „Kältetod“ stattfinden. Geworben wird unter anderem im Lippstädter Werbemagazin „Leitplanke“ [1], in dem auch zu erfahren ist, dass die beiden Bands „personell weitgehend identisch“ sind. Verschwiegen wird allerdings, dass sich die Band „Kältetod“ unter anderem Namen einen Ruf in der Neonazi-Szene erspielt hat: Als „Bloodrevenge“ treten die Lippstädter um Bandleader Jan-Peter Kerstin bundesweit auf Rechtsrock-Konzerten und NPD-Veranstaltungen auf.

 

Kältetod + Falsche Propheten

Bei den „Falschen Propheten“ handelt es sich um eine Böhse Onklez Coverband. Neben Sängerin Nadine „Biene“ Schwidlinski-Dinges und Schlagzeuger Thorsten, spielen auch zwei „Bloodrevenge“ bzw. „Kältetod“-Musiker mit: Jan-Peter Kerstin und Andreas Dinges sind auch hier am Bass und der Gitarre. [2] Damit bei den Onkelz-Fans auch die richtige Stimmung aufkommt, hat die Band keine Angst auch alte, indizierte Songs zu covern. So geben sie auf ihrer von Stephanie Schendel aus Lippstadt angemeldeten Internetseite an, bei Auftritten den indizierten Klassiker „Der nette Mann“ zu spielen [3].
„Kältetod“ stellt laut Eigenangaben lediglich ein weiteres Projekt der Neonaziband „Bloodrevenge“ (übersetzt „Blutrache“) dar. Sie haben bisher die beiden Alben „The Hammer will smash the Cross“ und „Der Völkerfeind“ veröffentlicht, letzteres beim extrem rechten Label „Wolfszeit“ aus Gütersloh. [4] Kältetod hat bisher nur einige Demo-Kassetten veröffentlicht.

Nazis durch und durch

Während „Bloodrevenge“ sich mit Songs wie „We defend our race“ politisch eindeutig positionieren, agiert „Kältetod“ bewusst etwas zurückhaltender. So erklärt Jan-Peter Kerstin, einst Mitglied der „Jungen Republikaner“ in Erwitte, gegenüber dem Kameradschafts-Fanzine „Förderturm“: „Bei Kältetod ist der Vorteil, dass die Texte nicht unbedingt in eine politische Ecke gesteckt werden können und wir damit auch ’normale‘ Leute für unsere Sache begeistern können, sofern sie nicht vollends abgeneigt sind.“[5]
Und führt in aller Offenheit weiter aus:
„Viele Black-Metal Hörer sind unserer Sache nicht abgeneigt und somit wächst die völkische Gemeinschaft. Das kann nur von Vorteil sein. Es mag ja Leute geben, die mit Black-Metal nichts anfangen können, was auch völlig in Ordnung ist. Aber ich habe selbst schon erlebt, dass einige unter uns die Metaler nicht akzeptieren (z.B. weil sie lange Haare haben usw.). Da kriege ich das Kotzen, denn es geht doch schließlich um Deutschland und nicht um Äußerlichkeiten.“
Und auf die Frage des „Förderturms“, welche Chance er sieht, „dass der Nationale Sozialismus in Deutschland erneut die Macht übernehmen kann“ und ob „wir in der jetzigen Situation überhaupt in der Lage (sind), geeignete Leute zu Stellen?“ antwortet Jan-Peter Kerstin in dem für die extreme Rechte typischen Verschwörungswahn:
„Ich sehe kaum noch Chancen. Der Plan gewisser Kreise scheint aufzugehen. (…) Wir brauchen das Volk hinter uns. Das ist unsere einzige Chance aus diesem Schlammassel zu entkommen. Unseren Kindern muss man wieder Tugenden lehren und vor allem muss man ihnen etwas beibringen, damit es wieder fähige Menschen gibt.“
Nach seiner Meinung zu den „monotheistischen Welt-Religionen wie dem Christentum, Islam oder bspw. dem Weltjudentum“ gefragt, gibt Kerstin wie folgt Auskunft: „Diese drei eine Einheit bildenden Religionen sind artfremd. Es gilt sie aus den Köpfen der Menschen zu verbannen.“ Aus diesem Grund kann er der rassistischen Sekte des KU-KLUX-KLAN auch nichts abgewinnen, da er beim „besten Willen nicht nachvollziehen (kann), wie man sich als völkisch/nationaler Mensch einer Organisation anschließen kann, dessen Glaube seine Wurzeln im Judentum hat“. Nazi wie er ist, zeigt sich Kerstin als Bewunderer des Hitlerstellvertreters, Kriegsverbrechers und Bruchpiloten Rudolf Heß. Dieser sei für ihn „ein Grund an das Wort Held zu glauben.“ (Sämtliche Zitate aus dem Förderturm-Interview, Ausgabe Nr. 6/2003)

Auf Tour für die nationale Sache

Stets im Einsatz für die nationale Sache tourt die braune Combo um Kerstin quer durch die Republik:
2004 standen sie u.a. am 4. März in Straelen am Niederrhein und am 3. April in der Nähe von Bad Salzuflen auf der Bühne [6]. Das Landesamt des sogenannten Verfassungsschutzes aus Thüringen schreibt in seinem Jahresbericht von einem „Friedensfest“, welches ausgerechnet die neonazistische NPD am 10. Juli 2004 in Gera ausrichtete: „Neben der Thüringer Band ‚Eugenik‘ traten ‚Bloodrevenge‘ aus Nordrhein-Westfalen, ‚T.H.O.R.‘ aus Sachsen und ‚Confident of Victory‘ aus Brandenburg auf“ [7]. Am 4. Dezember 2004 sollten „Bloodrevenge“ und andere Rechtsrock-Bands in Bottrop auftreten. Dazu kam es aber erfreulicherweise nicht, da eine Stunde nach Konzert-Beginn der Vermieter der Gaststätte den Mietvertrag kündigte.[8]

Die „Bloodrevenge“-Musiker treten nicht nur als „Kältetod“, sondern auch unter dem Namen „Projekt Vril“ in Erscheinung, so etwa auf dem „Tag der Nationalen Jugend“, welcher noch im Sommer diesen Jahres im thüringischen Altenburg von der NPD organisiert stattfand.[9] Aber auch bei klandestin durchgeführten Rechtsrock-Konzerten sind die Lippstädter gern gesehene Gäste, wie am 25. Februar 2006 im münsterländischen Greven, als „Projekt Vril“ zusammen mit anderen Szene-Bands wie „Extressiv“, „Hauptkampflinie“ oder „Cherusker“ auftrat [10].

Jan-Peter Kerstin, der die treibende Kraft hinter den Bands zu sein scheint, hat unter dem Namen „Veritas Invictus“ auch eine CD mit Balladen beim Label „Wewelsburg Records“ von Hendrik Stiewe veröffentlicht. [11] Welche Ideologie sich hinter dem Label verbirgt, wird beim Anblick der Homepage schnell ersichtlich: neben dem Symbol der Scharzen Sonne, welches die SS ihrerzeit in die Wewelsburg einbauen ließ, sind Nazi-Soldaten in heroisierter Pose auf der Startseite zu betrachten. In einer wenig hörenswerten Hörprobe auf der „Heimatseite“ des Labels, gibt Kerstin seinen Song „Krieg“ zum Besten. Sind Neonazis bislang eher dadurch aufgefallen, dass sie Obdachlose zu Tode prügeln, entdeckt Kerstin hier sein Herz für diese ausgegrenzte Personengruppe, beschwört den „Kampf und gegen oben“ und halluziniert sich und seine Kameraden in einer Front mit den geknechteten „Arbeits- und Obdachlosen“ dieses Landes gegen die „Obrigkeit“.

Kein Raum der rechten Jugendkultur

Die Strategie der Neonazis von „Bloodrevenge“ ist einfach und sie scheint aufzugehen: Unter dem Namen „Bloodrevenge“ bzw. „Projekt Vril“ tritt man auf den konspirativ organisierten Konzerten der Szene auf. Dort spielt man zusammen mit Rechtsrock-Größen wie „Oidoxie“ oder „Hauptkampflinie“. Die eigene politische Gesinnung muss man nicht verstecken.

In lokalen Gefilden allerdings wird bewusst das Pseudonym „Kältetod“ gewählt. Auf den ersten Blick wirkt die Gruppe wie eine unpolitische Metalband, die lediglich mystisch aufgeladene, völkisch-heidnische Inhalte in gemäßigter Form propagiert. So versucht man Leute anzusprechen, die von allzu offensichtlicher Nazipropaganda vielleicht eher abgeschreckt wären. Das Programm der „Falschen Propheten“ lockt sicherlich einige Jugendliche zu den Konzerten.
Die Böhsen Onkelz sind noch immer eine außerordentlich populäre Band, die zwar schon seit vielen Jahren keine Neonazi-Inhalte mehr vertritt, gleichwohl sich aber nie komplett von der eigenen Vergangenheit distanzierte, sondern vielmehr damit kokettiert. Das ganze Image der Band und deren gegenwärtigen Inhalte sprechen auch heute eher rechte Jugendliche an.

Mehrfach schon konnten die „Falschen Propheten“ ungestört in Lippstadt auf der Bühne stehen. Außerdem scheinen sie in der Gaststätte „Zum Hubertus“ offenbar eine Lokalität gefunden zu haben, die wenig Berührungsängste gegenüber rechten BesucherInnen zu haben scheint.

Dem rechten Sound den Saft abdrehen!

Gegen das geplante braune Musikspektakel regt sich aber Widerstand. Zur Zeit formiert sich ein Bündnis gegen Rechts, das zum Protest gegen das Rechtsrock-Konzert aufruft. Der Betreiber der Gaststätte „Zum Hubertus“ wird aufgefordert, das Konzert abzusagen und in Zukunft Rechtsextremisten keinen Raum mehr zu bieten.

Um der Forderung den nötigen Nachdruck zu verleihen, ist eine antifaschistische Demonstration in Planung, die aller Voraussicht nach am 23.12. um 19 Uhr am Lippstädter Bahnhof beginnen wird. Watch the signs!!! (alle Infos unter: http://www.junge-linke.tk)

Gerade dieser Versuch von Rechtsrock-Bands unter scheinbar unverfänglichem Namen öffentlich aufzutreten und dadurch eine größere Anzahl von Jugendlichen zu erreichen, sollte für AntifaschistInnen ein wichtiger Anlass sein ihren Widerstand in Lippstadt zu artikulieren.

BEAT DOWN NAZISHIT!!!
FÜR EINE ANTIFASCHISTISCHE JUGENDKULTUR!!!

Bündnis gegen Rechts (Lippstadt)

[1] siehe: Leiplanke, Nr. 12/2006 und http://www.kneipentour-lippstadt.de/index.php?url=eventkalender&event=4715&act=alle&sess_id

[2] zu Kältetod und Bloodrevenge siehe:
– Killguss/Dornbusch: Unheilige Allianzen. Black Metal zwischen Satanismus, Heidentum und Neonazismus, Münster/Hamburg 2005
– Killguss/Dornbusch: Unheilige Allianzen. Rechter Black Metal in NRW, in: LOTTA – antifaschistische Zeitung aus NRW, Nr, 22: S. 32-34, online unter http://www.turnitdown.de/526.html

[3] siehe: http://www.falschepropheten-lippstadt.de/reportoire.htm

[4] siehe: http://www.wolfszeit.net

[5] sämtliche Zitate aus: Interview mit Bloodrevenge, in: Förderturm, Nr. 6, 2003
zum Nazi-Fanzine „Förderturm“ vgl. JD/JL Duisburg (Hg.): Duisburg – Rechts um !? Neonazismus im Großraum Duisburg/Oberhausen, Duisburg 2002: S. 60-64

[6] siehe: LOTTA – antifaschistische Zeitung aus NRW, Nr. 16: S. 37

[7] siehe: http://www.verfassungsschutz.thueringen.de/vsberichte/2004/vsb2004.pdf
und LOTTA – antifaschistische Zeitung aus NRW, Nr.17, Sommer 2004: S. 35

[8] siehe: LOTTA – antifaschistische Zeitung aus NRW, Nr.19: S. 44

[9] siehe: http://de.indymedia.org/2006/05/146804.shtml und http://de.wikipedia.org/wiki/Th%C3%BCringentag_der_nationalen_Jugend

[10] siehe: LOTTA – antifaschistische Zeitung aus NRW, Nr. 25: S. 38

[11] siehe: LOTTA – antifaschistische Zeitung aus NRW, Nr. 21: S. 45f und http://www.wewelsburg-rec.com

(Erstveröffentlichung für Indymedia)

http://www.junge-linke.tk

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