Neo-Nazis in der DDR

Für die SED-Nomenklatura waren Neo-Nazis einfach nicht existent im real existierenden Sozialismus, eine reine Folge des Kapitalismus und somit wenn überhaupt gesehen, ein westlicher Import des Klassenfeindes BRD.

Die DDR-Opposition war aber gemischter zusammengestellt als vorher gedacht. Der RBB hat gestern eine Doku mit dem Titel „Die Nationale Front, Neonazis in der DDR“ ausgestrahlt. Aufhänger der Sendung ist der Überfall von etwa 30 Skinhead-Faschos auf ein Konzert von „Element of Crime“ mit ca. 2000 Besuchern in der Zionskirche in Berlin- Prenzlauer Berg im Oktober des Jahres 1988. Es kommen viele Beteiligte dieses Desasters zu Wort: Punks, Christen, Faschoglatzen, Journalisten und jeder erzählt seine Sichtweise der Dinge, Opfer und Täter werden nebeneinander gestellt, als zentrale These wird aber das Versagen der SED-Staatststrategen in der Doku vorgeführt, deren Bankrott nicht nur auf dem Konto der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung sichtbar war. Auch in den ideologischen Lügengebäuden, die den DDR-Alltag so doppelbödig gestalteten, dass selbst Skinhead-Faschos in diesem praktisch allgegewärtigen Denk-Vakuum einige Zeit ihren nationalsozialistischen Provokationen und Träumereien unter den Augen des sonst so „wehrhaften“ Staates hintereilen konnten, ohne dass die SED da wirkungsvoll gegensteuern konnte und wollte. In dem Einerlei des „wer nicht für uns ist,ist gegen uns“ wurden Aktivisten der Umweltbibliothek, kerzenhaltende Friedenschristen, Punks und Neonazis in einen Topf geworfen und mit dem Label „Westimport“ versehen,  observiert, drangsaliert und eingeknastet.

Der Vorfall um die Zionskirche ereignete sich fast genau ein Jahr vor dem Mauerfall 1989, die von mir hier schon berichtete Strassenhegemonie der Neo-Nazis – die sehr viele Verletzte und über 100 Tote als Bilanz aufweist – von Neofaschisten in Berlin und den Beitrittsgebieten der  Nachwendejahre war also keine Novität – mir erzählten das um die 90iger herum schon einige Freunde aus der ex-DDR, ich konnte es aber nicht so richtig glauben – sondern eine ideologisch praktisch fortentwickelte Form von DDR-Opposition neben der bekannten Dissidenz der Bürger- und Umweltrechtler und den subkulturellen Bewegungen des Punk,Wave,Gothic in der Jugendkultur.

Auch heute ist in den neuen Bundesländern die Idee vom Westimport des Neofaschismus sehr verbreitet, sie mag für die Parteistruktur ihre Gültigkeit haben – NPD und DVU sind reine Erzeugnisse der alten Bundesrepublik. Der hetzerische Antikommunismus, die unverhohlene Gewalt gegen alle Andersdenkenden, der Rassismus und der Nationalismus mit Anleihen beim NS waren aber vorher schon da, auch auf den Fussballplätzen in Taka-Tuka-Land. Auf diesem Boden konnten die rechtsextremen Gruppen und Parteien eine Schar von Rechtsextremisten rekrutieren, die heute in NPD-Kreisen als Helden der ersten Stunde im ex-Kernland des Nationalbolschewismus verehrt werden und die viele jüngere Menschen in ihren unheilvollen Bann gezogen haben und noch weiter ziehen. Die antifaschistischen Initiativen haben es nicht leicht, immer wieder gegen verbreitete Furcht, Verstricktheit und Desinteresse in der Bevölkerung, zivilgesellschaftliche Impulse zu setzen und zu erhalten. Ob sich Geschichte wiederholt?

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