Broder
Börnepreis 2007
“Bin ich verrückt, oder sind es die anderen?”, fragte der streitbare Autor Henryk M. Broder in seiner Dankesrede für den Ludwig-Börne-Preis. Seine These: Die westlichen Werte sind nur mit Intoleranz zu retten. Börne-Preis-Reden Audio
henryk rules
von dissidenz
es ist mir fast schon peinlich, aber zum ersten mal wissentlich in berührung kam ich mit herrn broder ausgerechnet im deutschunterricht des zweiten bildungswegs. unsere lehrerin, wesentlich emanzipatorischer und antifaschistischer veranlagt, als auf den ersten blick zu erkennen, legte uns einen text von ihm als beispiel für eine bestimmte art von sachtext vor: eine glosse.
der titel war “jedem das seine” und es ging darin um die großformatige plakatwerbung eines handyherstellers, der eben jenen claim als werbebotschaft verwenden wollte, um die flexibilität seiner mobilkommunikationsgeräte zu vermitteln.
nicht unbedingt wegen dieses textes gewann henryk m. broder für mich im laufe der kommenden jahre eindrücklich an bedeutung. daran änderte auch nichts die tatsache, dass er sich bei einer der jüngeren tv-auftritte, die auch in diesem blog hier dokumentiert sind, als cdu-wähler outete.
ich hab ihm auch mal eine solidaritäts-email geschrieben, als ihm ein persischer dichterfürst, in der rubrik “das meint der leser” auf broders website veröffentlicht, mit beiläufigen morddrohungen behelligte. darin dankte ich ihm für das was er tut, nämlich dem anfassen und herzeigen von brauner scheisse, egal ob sie von islamistischen mobs, durchschnittlich deutschen antisemiten oder willfährigen “appeasement-strategen” stammt. denn einer müsse das ja machen, auch wenn er daraufhin mit der einen oder anderen fatwa zu rechnen hat.
in der tat folgte ihm auch in frankfurt bezeichnenderweise ein “antirassistischer” mob bis zu einer lesung ins “ig farben”-haus, holte sich letzte woche neue anregungen im “club voltaire“, wo sie sich anlässlich broders auszeichnung mit dem börnepreis öffentlich sorgen um das “feindbild islam in den medien” machen wollten.
vielleicht standen heute auch tatsächlich wieder einige “antirassistinnen” auf dem paulsplatz rum, als in der paulskirche vor geschlossener gesellschaft broder als “erbe des politischen journalisten der aufklärung”1 ausgezeichnet wurde. ich weiss es nicht. ob das morgen in der aufzeichnung im hessen fernsehen zu sehen sein wird, ist auch zu bezweifeln.
24. Juni 2007
Publizist Henryk M. Broder erhält Börne-Preis
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Henryk M. Broder (Foto: dpa)
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Frankfurt/Main (dpa) - Der Publizist und Schriftsteller Henryk M. Broder erhielt heute in der Frankfurter Paulskirche den Ludwig-Börne-Preis. Die seit 1993 vergebene Auszeichnung ist mit 20 000 Euro dotiert und geht an deutschsprachige Autoren für hervorragende Leistungen in den Sparten Essay, Kritik und Reportage.
Der Preis erinnert an den jüdischen Schriftsteller und Journalisten Ludwig Börne (1786-1837), der wegen seiner scharfzüngigen Texte als Wegbereiter des politischen Feuilletons gilt.
Der Preis wurde Broder von “Focus”-Chefredakteur Helmut Markwort als alleinigem Juror zugesprochen. Markwort hält auch die Laudatio. Der aus einer jüdisch-polnischen Familie stammende Broder beschäftigt sich seit Jahren kritisch mit dem deutsch-jüdischen Verhältnis. Zu Börne-Preisträgern früherer Jahre gehören der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger sowie die Publizisten Rudolf Augstein, Joachim Kaiser und Joachim Fest.
Auszeichnung für Publizist Broder: Börnes legitimer Erbe
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Auszeichnung für Publizist Broder
Börnes legitimer Erbe
VON MATTHIAS ARNING 24. Juni 2007
Mit Leuten, die sich nichts trauen, kann einer wie er nichts anfangen. Von Menschen, die den anderen, vielleicht zunächst abwegig wirkenden Gedanken nicht wagen, will er nichts wissen. Und für Bürger, die sich nicht um ihre eigenen Belange kümmern, hat er nur Worte der Verachtung übrig. Die Rede ist von Broder, Henryk M. Broder, dem Publizisten, dem es gelingt, seine Zeitgenossen immer wieder in Angst und Schrecken zu versetzen. Etwa dann, wenn der 61-Jährige ihnen vorhält, dass sie Angsthasen seien, sich denkfaul stur stellten, sich aus falsch verstandener Toleranz alles gefallen ließen. Broder ist in seinem Element, sobald es um die Auseinandersetzung mit dem Islam geht: Spätestens nach dem 11. September kann es für ihn keinen indifferenten, aus Beliebigkeit motivierten Umgang mit radikalen Moslems mehr geben.
Broder kommt gelegentlich gut an. Gerade bei Mitmenschen, denen zu “Political Correctness” gleich linker Traditionalismus einfällt. Zu denen gehört Helmut Markwort. Und so brauchte der Focus-Chefredakteur gar nicht lange überlegen, wen er als alleiniger Juror zum Träger des Ludwig-Börne-Preises ernennen wolle. Eben: Broder. Denn der sei “unabhängig und überraschend, ein freier Geist”, ein legitimer Erbe des politischen Journalisten der Aufklärung. Am Sonntag bekommt Broder den von der gleichnamigen Stiftung vergebenen Preis. In der Paulskirche. Als Börne von heute.
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BÖRNE-PREIS FÜR HENRYK M. BRODER
Vom Zwang, sich einzumischen
SPIEGEL ONLINE - 24. Juni 2007, 10:40
Von Daniel Haas
Das Internet ist, wie er sagt, sein Medium: Schnell und aktuell reagiert Henyrk M. Broder auf die spannenden Themen der Zeit, eckt an und provoziert mit ungeschminkten Wahrheiten. Jetzt erhält der Publizist und Polemiker, journalistische Welterzähler, SPIEGEL- und SPIEGEL-ONLINE-Autor den Ludwig-Börne-Preis.
Henryk M. Broder gehört zu den eminenten Publizisten des Landes; nicht nur zu den gewichtigen, sondern auch zu jenen, die tatsächlich gelesen werden. Seine Texte sorgen für Aufregung, das war schon 1986 so, als er der deutschen Linken antisemitische Ressentiments nachwies. Zuletzt überschlugen sich Beifall und Schelte für sein Buch “Hurra, wir kapitulieren!”, das polemisch mit der Angst des Westens vor dem islamischen Fundamentalismus abrechnet.

Publizist Broder: Im Netz der Kontroversen
Heute erhält der im polnischen Kattowitz geborene Autor den Ludwig-Börne-Preis, und naturgemäß war schon die bloße Ankündigung der Prämierung Broders einen mittleren Medienaufruhr wert.
Schweres rhetorisches Geschütz wurde aufgefahren, sogar von “Beleidigung des Humanismus” (”taz”) war die Rede. Dass seine Gegner kräftig hinlangen, ist Broder allerdings gewohnt: Auf seiner Website veröffentlicht er unter der Rubrik “Das meint der Leser” programmatisch die aktuellsten Zoten und Sottisen, mit denen man ihn bewirft.
Schneller lässt sich der grassierende Schwachsinn nicht bloßstellen, auch deshalb ist der Buchautor und Essayist, Verfasser von einem Dutzend Büchern und zahllosen Artikeln für den SPIEGEL, ein Mann des World Wide Web. “Das Internet ist für mich erfunden worden”, sagte Broder unlängst im “Focus”-Interview. “Kurz, schnell, direkt ermöglicht es prompte Reaktion. Bei meiner Ungeduld und meinem Alter ein wichtiges Argument.”
LUDWIG-BÖRNE-PREIS
Seit 1993 verleiht die von Frankfurter Bürgern gegründete Ludwig- Börne- Stiftung den mit 20.000 Euro dotierten Literaturpreis, der an den jüdischen Schriftsteller, revolutionären Demokraten und politischen Journalisten Ludwig Börne (1786- 1837) erinnern soll. Über den Preisträger entscheidet ein vom Stiftungsvorstand benannter Juror, in diesem Jahr ist es “Focus”- Chefredakteur Helmut Markwort. Zu den Preisträgern gehörten unter anderem Joachim Kaiser, Marcel Reich- Ranicki, Hans Magnus Enzensberger, Joachim C. Fest und Rudolf Augstein.
Alter - Broder ist Jahrgang 1946 - und Ungeduld: Man könnte auch Erfahrung und moralisches Pflichtgefühl sagen. Denn als Schriftsteller und Reporter hat Broder schon viele Kämpfe ausgefochten. Er trat (und tritt) gegen plumpe Antiamerikanisten ebenso an wie gegen “selbst berufene Deutschmeister des Trauerns” (eine Formulierung, die er in der Auseinandersetzung um Peter Eisenmans Berliner Holocaust-Mahnmal verwendete); knöpft sich islamische Fundamentalisten genauso vor wie die westlichen Appeasement-Strategen (auch eine Brodersche Wendung), die ihnen den Weg bereiten.
Zur dieser Erfahrung kommt der Zwang, sich einzumischen und auch dort noch Haltung zu bewahren, wo andere längst in Deckung gehen. Das Netz arbeitet diesem Sinn fürs Akute, dem Talent, schnell das Unerhörte aufzudecken und zu Gehör zu bringen, entgegen. Die zahlreichen Artikel auf SPIEGEL ONLINE, ob scharfe TV-Kritik oder erhellende Reisereportage - legen auf spannende Weise Zeugnis davon ab.
Der Börne-Preis wurde Broder von “Focus”-Chef Helmut Markwort als alleinigem Juror zugesprochen. “Broder ist ein Ludwig Börne von heute”, schrieb er in seiner Begründung, “ein freier Geist, der leidenschaftlich und feurig schreibt, oft polemisch und ohne Rücksicht auf political correctness, aber immer unabhängig und überraschend”.
In dem “zunehmend mit einer Stimme sprechenden Medienkomplex” habe Broder sich “als eigene, unverkennbare Stimme” behauptet, schrieb die “Frankfurter Allgemeine Zeitung”. In der Paulskirche, wo Broder heute seine Dankesrede hält, wird sie zu hören sein. Und natürlich gedruckt, auf Buch- und Magazinseiten - und im Netz, wo sie nur einen Klick weit entfernt immer wieder für Aufregung und Klarheit sorgt.
URL: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,490193,00.html
Das nationalbolschewistische Kampfblatt “Junge Welt” macht so auf:
Kopfloses Huhn

Der Journalist Henryk M. Broder erhält den Ludwig-Börne-Preis 2007. Eine Würdigung
Von Otto Köhler|
15.06.2007 / Thema / Seite 10
FALSCHE WAHL: HENRYK M. BRODER HAT DEN BÖRNE-PREIS NICHT VERDIENTBeleidigung des HumanismusDass der Börne-Preis in diesem Jahr von Focus-Herausgeber Helmut Markwort im Alleingang an Henryk M. Broder verliehen wurde, spricht dem Namensgeber dieser Auszeichnung doppelten Hohn. Denn Ludwig Börne war ein glühender Verfechter der Pressefreiheit und sprach und schrieb davon, dass alle Menschen gleich seien - und auch gleich in ihrem Leiden anzuerkennen seien. Welches Verständnis der Focus von Pressefreiheit hat, durfte ich selbst einmal erleben: In einer Rezension, die von der Redaktion angefordert worden war, schrieb ich, dass ein Deutscher heute schnell Gefahr laufe, als Antisemit abgestempelt zu werden, wenn er auf das schlimme Los der Einwohner von Gaza, des Westjordanlands oder Ostjerusalems hinweist. Und ich lobte das Buch “Ich will nicht mehr schweigen. Über Recht und Gerechtigkeit in Palästina” von Rupert Neudeck, in dem dieser die israelische Besatzungspolitik kritisiert. Wegen dieser Passage durfte die Rezension nicht erscheinen. Und Rupert Neudecks Buch konnte in Frankfurt nicht vorgestellt werden, weil die evangelische Kirche den dafür vorgesehenen Saal plötzlich nicht mehr zur Verfügung stellen wollte. Zuvor hatte der Frankfurter Historiker Arno Lustiger seine Freunde aufgerufen, die Veranstaltung, die israelische Fahne schwingend, zu stürmen und zu sprengen. Das mag nicht die gleiche Qualität haben wie die Absetzung der “Idomeneo”-Oper in Berlin. Aber es zeugt von der gleichen Verneinung eines freiheitlichen Geists. Henryk M. Broder brandmarkt ständig alle und jeden, die sich um das Leiden der Anderen sorgen. Als Jude fühle ich mich verpflichtet, dieses Leid nicht zu ignorieren: So, wie ich mich nach 1945 verpflichtet fühlte, mich als jüdischer Franzose am Aufbau einer deutschen Demokratie zu beteiligen, damit das erlittene deutsche Leid der Bombennächte und der Vertreibungen nicht zu Selbstgerechtigkeit und zum Hass führen würde. Broder dagegen bekämpft, im Einklang mit fanatisch pro-israelischen Internetseiten wie “Honestly Concerned”, so aggressiv wie möglich alle, die nicht so denken und handeln wie er. In meinem Beitrag, der vom Focus zensiert wurde, ging ich noch einen Schritt weiter: Weil es in Deutschland und Frankreich auch mutige Hilfe für Juden gab, stellte ich die Frage, ob es für heutige Juden deshalb nicht eine Verpflichtung sei, “an das Schicksal von anderen Unterdrückten und Verachteten zu denken”. Das heißt, sich als europäischer Jude auch für das Leid der Palästinenser empfänglich zu zeigen. Doch, wie es der israelische Schriftsteller David Grossman in seiner ergreifenden Grabrede für seinen im Libanon gefallenen Sohn Uri formuliert hat: “Es ist nicht cool, idealistisch zu sein. Oder ein Humanist. Oder wirklich sensibel zu sein für die Not des anderen, auch wenn der andere ein Feind auf dem Schlachtfeld ist.” Helmut Markworts Entscheidung, Henryk M. Broder den Börne-Preis zu verleihen, missachtet diesen Humanismus. Er beleidigt damit jene Grundwerte, aufgrund derer Ludwig Börnes Name 1832 beim Hambacher Fest mit Begeisterung gefeiert wurde. Diese Werte bildeten die Basis der ersten deutschen Verfassung, die 1848 in der Frankfurter Paulskirche beschlossen wurde. Mit der diesjährigen Feier zur Verleihung des Börne-Preises in der Paulskirche wendet man sich von ihnen ab. ALFRED GROSSER , taz.de Alfred Grosser, 83, ist Publizist und Politologe. Seine jüdische Familie emigrierte 1933 aus Nazi-Deutschland. Sein Wirken gilt der Verständigung zwischen Deutschen und Franzosen.
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